Haus Krenz

Neubau Wohnhaus in Neubrandenburg. Entwurf Peter Grundmann 1998. Fertiggestellt 1999. Wohnfläche 170 m². Haus auf einem 12 m breiten Grundstück

Sein Architekturstudium in Berlin hatte Peter Grundmann zwar noch nicht abgeschlossen, als er das Wohnhaus für einen Bauunternehmer am Rande Neubrandenburgs entwarf,
aber das merkt man dem Haus nicht an – so frisch und unkonventionell kommt es daher.

Spielend fügt sich das Gebäude in das schwierig zu bebauende Grundstück ein, das nicht nur schmal, sondern auch noch lang geschnitten ist. Grundmann antwortete auf dieses Problem mit einem Baukörper, dessen blendend weiße Kuben sich hinter- und übereinander staffeln. Dabei schieben sie sich in die Tiefe des Grundstücks hinein und untergliedern es in einzelne Bereiche. Damit die weißen Wände aber nicht überhand gewinnen, hat der Architekt einige Fassadenpartien mit Paneelen aus Lärchenholz verblendet. Mit ihnen werden auch der Eingang und das Bad im ersten Obergeschoss abgeschirmt. Damit aber dennoch Licht in diese Räume gelangen kann, wurde das Holz mit Löchern perforiert. Und wenn man will, lassen sich die Holzfelder auch ganz aufklappen. Nach Norden weisst die Fassade lediglich einige schmale Sicht- und Lichtschlitze auf, nach Süden hin öffnet sich der Betonbau hingegen mit einer Holz-Glas-Konstruktion zu der seitlichen Terrasse und im Obergeschoss mit einem Balkon. Und auch die nach Osten orientierte Rückseite des Hauses – die eigentliche Gartenfassade – überrascht mit ihrem Gesicht aus Holz und Glas. Teils perforierte, teils geschlossene Holzpaneele zeichnen dort ein abstraktes Muster aus horizontalen Holzlagen an die Fassade. Davor lagert der kleinere Baukörper des Wohnzimmers, der sich mit großen Glasflächen zum Garten öffnet. Der komplexen äußeren Gestaltung des Baukörpers entspricht seine klare und offene Gliederung im Inneren. Der langgestreckte Flur führt durch das ganze Haus und mündet im Essbereich. Zwei Abzweige führen zu einem Arbeitszimmer und zu einer offenen Küchenzeile. Das Wohnzimmer ist um einige Stufen abgesenkt und dadurch vom Rest des Hauses separiert. Über eine Betontreppe mit Stahlgeländer gelangt man ins Obergeschoss. Dort führt eine wiederum stählerne Galerie mit Glasboden zu den beiden Kinderzimmern sowie zum Schlafzimmer der Eltern. Lufträume zwischen den beiden Geschossen schaffen eine optische Verbindung und sorgen dafür, dass sich die Wohnbereiche durchdringen. Das abschließende zweite Obergeschoss ist der Sauna und dem Technikraum vorbehalten, da das Haus aufgrund des hohen Grundwasserspiegels nicht unterkellert werden konnte. Auch einige Möbel hat Peter Grundmann entworfen und so ein schlüssiges Gesamtkonzept für ein Einfamilienhaus verwirklicht, dass sich mit seiner ambitionierten Architektursprache zwar von den Villen der Umgebung abhebt, sich aber gleichwohl einzufügen versteht. (Text von Dr. Jürgen Tietz erschienen in Deutsches Architektenblatt, S. 20-21, 06/2002)

 



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